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Mein*e Sub schlägt mich

  • Autorenbild: Dan Apus Monoceros
    Dan Apus Monoceros
  • 25. Juli
  • 6 Min. Lesezeit

Top/Bottom, Dominant/devot, Aktiv/Passiv, Switch und Co.


Begriffe sind wichtig, denn nur wenn wir etwas benennen können, können wir darüber reden, es abgrenzen, uns darin reflektieren, uns selbst besser definieren und mit Partnermenschen darüber sprechen, was uns wirklich weiterhilft. Dabei verändern Begriffe ihre Bedeutung – über die Zeit, je nachdem wo sie verwendet werden, und natürlich auf persönlicher Ebene. In der Folge werden bestimmte Begriffe regelmäßig miteinander verwechselt, fälschlich gleichgesetzt, oder man ist sich der Bedeutungsunterschiede gar nicht bewusst. Man denkt, man spricht über dasselbe, und meint doch etwas ganz anderes.


Besonders für Einsteiger ist dieser Abschnitt hilfreich und kann wie ein Augenöffner wirken. Erfahrene werden beim Lesen verstehen, wieso Dinge so sind, wie sie sind, woher Unterschiede kommen und wie andere dieselben Wörter verwenden – um so sensibler dafür zu sein, wo Missverständnisse herkommen.


Über den Autor – Dan Apus Monoceros

Ich selbst bin in vielen Welten unterwegs. Kinky sozialisiert wurde ich aber überwiegend in der schwulen BDSM-Welt. Mittlerweile bin ich als Coach und Veranstalter in sehr vielen verschiedenen Gruppierungen aktiv und kann aus unterschiedlichen Szenen und Perspektiven berichten. Trotzdem stelle ich immer wieder krasse Unterschiede und teils konträre Ansätze fest. Dabei werden einige Worte sehr unterschiedlich verwendet: Was für die einen logisch erscheint, ist für andere merkwürdig – und umgekehrt.


Passiv-dominanter Top sucht Service-Ficker

Gerne gruppiert und verwechselt werden die Worte submissiv, bottom, devot, passiv und masochistisch – beziehungsweise auf der anderen Seite dominant, aktiv, top und sadistisch. Die erste Gruppe wird pauschal und fälschlich der Rolle der Sklav*in zugeschrieben, die zweite der von Master/Domina.


Dass aber nicht alles das Gleiche ist, wo die Unterschiede liegen und wie man am besten damit umgeht, schauen wir uns in diesem Artikel an.


Auch wenn ich hier eine saubere Definition versuche, ist diese vor allem für mich und mein Wirken relevant. Sehr viele Menschen verwenden eigene, davon abweichende Definitionen, und selbst in wissenschaftlichen Arbeiten und Fachliteratur werden die Begriffe teils unterschiedlich gebraucht. Wenn ihr mit jemand anderem im Gespräch seid, fragt lieber nach, was diese Person genau unter welchem Begriff versteht.


Damit wir aber irgendwo anfangen, nehme ich zunächst die Definitionen, wie sie überwiegend in der Kink-Literatur verwendet werden und im Hetero-Kontext weit verbreitet sind.


Top vs. Bottom

Top bzw. Bottom bezeichnet, wer eine Handlung ausführt bzw. wer eine Handlung erfährt. Es geht um die Aktivität in der Session, also das aktive Tun und wer etwas mit wem tut. Der Rigger (Top) legt das Seil um das Model (Bottom). Die Peitsche schwingt der Top, die Schläge nimmt der Bottom. Eine Person, die beides mag und macht, wäre ein Switch (im Hetero-BDSM) oder versatile (in der Gay-Welt).


Die Begriffe stammen aus der schwulen Ledersubkultur der 1950er-Jahre, kurz darauf aufgegriffen von der entstehenden BDSM-Szene der 1960er. Anfangs meinten sie sowohl die Sexualstellung, wie auch ein einhergehendes Machtgefälle – Top der penetrierende, aktive Part, Bottom der penetrierte, unterworfene. Das Oxford English Dictionary verzeichnet „bottom" in sexueller Bedeutung erstmals in den 1970ern, im schwulen BDSM-Kontext, als den passiven, empfangenden Part.


Die Hanky-Code-Kultur derselben Jahre war viel differenzierter und kannte weit mehr als nur Analverkehr. Für viele Praktiken musste man sich überlegen, ob das Taschentuch rechts oder links getragen wurde. Die Begriffe verbreiteten sich und lösten sich dabei allmählich in zwei Bedeutungen auf, die ursprünglich verschmolzen waren: Handeln und Entscheiden.


Diese Achse beschreibt die Richtung einer konkreten Handlung in einer konkreten Session – nicht, wer über diese Handlung bestimmt oder entscheidet.


Dominant vs. Submissiv

Dominant und submissiv beschreiben die Machtachse: welche Person das Sagen in der Szene hat. Die Sub-Person überträgt die Entscheidungsgewalt an die Dom-Person. Somit entscheidet die dominante Person (in einem bestimmten Rahmen) in der spezifischen Szene, was gemacht wird, ohne dass sie es zwangsläufig selbst tun muss – indem sie zum Beispiel Befehle gibt.


Anders als Top und Bottom, die von der Sexualstellung herkommen, hatten Dom und Sub nie einen anatomischen Kern; sie meinten einfach wer bestimmt und wer zu folgen hat. „Dominant" stammt vom lateinischen dominus, „Herr des Hauses", „submissiv" von submittere, „sich darunterstellen". Beide sind jahrhundertealte Wörter, die ein Machtgefälle ausdrücken. Der erotische Sinn kam erst im 20. Jahrhundert dazu (domination 1961, dominatrix im BDSM-Sinn 1970, submissive 1969). Die Kurzformen Dom, sub und D/s entstanden in Kontaktanzeigen, wo Redaktionen Euphemismen verlangten, um Zensurgesetze zu umgehen. Sie sind damit, ähnlich dem Hanky-Code, eine Art Szene-Sprache. D/s findet sich auch als eine der Bedeutungen im Wort BDSM.


Wegen der Grenzen, die im Vorgespräch gesetzt werden, vertreten einige Menschen die Ansicht, dass die Sub-Person durch eben diese Vorgaben die eigentlich dominante sei. Meine persönliche Reflexion zum Thema Dominanz als Gestaltungsfähigkeit findet ihr in einem anderen Artikel.


Devot vs. Submissiv

„Devot" und „submissiv" meinen im Szene-Alltag oft dasselbe, tragen aber verschiedene Herkünfte. Devot ist ein deutsches Wort (von devotus, „gottergeben") und beschreibt die Grundhaltung eines Menschen. Das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache markiert es als abwertend; als Synonyme kursieren servil oder arschkriecherisch. „Submissiv" kam über das englische submissive mit dem D/s-Vokabular herein und hängt an der konkreten Machtdynamik.


Die Szene verwendet die Begriffe unterschiedlich. Einige sehen in „devot" lediglich eine Übersetzung aus dem Englischen und damit ein Synonym zu „submissiv". Andere mögen die negative Konnotation aus der Alltagssprache nicht und würden sich deshalb nicht als „devot" bezeichnen. Wieder andere sehen in „devot" eine grundlegende Haltung eines Menschen (Identitätsrolle), auch ohne Gegenüber, und in „submissiv" das Verhalten in einer bestimmten Beziehung oder einem bestimmten Setting (Beziehungsrolle).


Für die Praxis heißt das: Das Etikett allein sagt wenig. Frag, was die Person konkret meint – eine Haltung, die sie durch den Tag trägt, oder ein Verhalten, das sie einer bestimmten dominanten Person gegenüber zeigt.


Handlungs- vs. Macht-Achsen

Wir haben nun zwei unabhängige Achsen kennengelernt: die der Handlung und die der Entscheidung (oder Macht). Daraus ergeben sich vier Kombinationsmöglichkeiten.



Bereiche und typische Rollen

Ist die Person, die etwas bestimmt, auch die, die es tut, so wären wir rechts oben – und der Gegenpart (also die, die empfängt und nicht entscheidet) links unten. Diese Kombinationen entsprechen der ursprünglichen Wortbedeutung, aus der Zeit, als man Top und Bottom noch nicht von Dom und Sub getrennt hatte, und werden daher gerne als typisch angesehen. Entsprechend haben sich hier bisher kaum neue Spezialbegriffe gebildet. Verwendet werden folglich die geläufigen Begriffe: Master, Mistress oder Domina für eine Person, die gleichzeitig entscheidet und handelt, und Sklav*in für die Gegenseite.


Diese Verwendung ist eigentlich unscharf, da Master/Mistress und Sklav*in nur die D/s-Dimension beschreiben, nicht die Handlungsebene. So kann sich eine Domina von ihrer Sklavin bedienen lassen – wodurch die Sklavin auf der Handlungsebene zum Top und die Domina zum Bottom wird. Dominant bleibt dabei trotzdem die Domina: Sie empfängt die Handlung, gibt die Entscheidungsgewalt aber nicht ab. Warten wir ab, ob sich hier präzisere Begriffe bilden oder ob diese schwammige Mischung bestehen bleibt.



Für die „untypischen" Kombinationen haben sich dagegen klare Formulierungen gebildet. So gibt es den Service Top: eine devote Person, die die submissive Person behandelt, sie zum Beispiel auf deren Wunsch auspeitscht. Für die submissive Person in diesem Setting kenne ich derzeit noch keinen offiziell etablierten Namen, aber „topping from the bottom" beschreibt es recht gut, und ein „Drehbuch-Sub" – also ein Sub, der viele Vorgaben macht, ähnlich einem Drehbuch – würde durchaus passen.


Es gibt aber auch eine Rolle, die zwar dominant ist, selbst jedoch nichts oder nur wenig tut: der Lazy Dom, die Göttin oder der Gott. Diese Rollen geben Anweisungen und lassen sich bedienen, häufig sitzen oder liegen sie aber einfach nur da. Der „Dirigent" ist eine Dom-Person, die Switches oder andere (Service-)Doms anweist, wie sie einen Sub-Bottom zu bearbeiten haben, selbst aber nur zuschaut und Anweisungen gibt.


Rollen sind nicht zweidimensional

Es gibt natürlich noch viele weitere typische und untypische Rollen, die sich teils auf einer, teils auf beiden Achsen einordnen lassen. Aber „typischerweise" bedeutet immer auch, dass es Ausnahmen gibt. Gerade bei so einnehmenden Begriffen wie Master, Domina oder Sklav*in gibt es sehr viele individuelle Ausprägungen, die häufig nicht ins idealisierte Bild eines Lehrbuchs oder in die Erwartungshaltung einer anderen Person passen. Viele Menschen haben eigene Vorstellungen und Definitionen; manchen sind die Unterschiede nicht klar, anderen fehlen die Vokabeln dazu. Fragt deshalb lieber nach, was genau gemeint ist, bevor ihr Annahmen trefft.


Du kennst jemanden, dem das hier weiterhelfen würde? Sende es gerne weiter und reflektiert euch dazu.


Einschränkungen

Jetzt habe ich das Ganze so schön und einfach erklärt, dass es simpel klingt. Aber war es das schon? Gibt es keine Begriffe für die Hierarchie? Was ist mit aktiv und passiv? Und wie machen das eigentlich die Schwulen?


Ihr merkt schon ich schreibe bereits an einer Fortsetzung.


Bis dahin: Viel Spaß beim Reflektieren.



Quellen:

 
 
 

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