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Welches Level passt zu mir? Unser Shibari-Wegweiser

  • Autorenbild: Dan Apus Monoceros
    Dan Apus Monoceros
  • 15. Juni
  • 7 Min. Lesezeit

Dieser Ratgeber soll dir helfen herauszufinden, auf welchem Level du dich gerade befindest – und mit welchen Workshops du dich gerade wohlfühlen wirst.


Die Buchstaben geben dabei den großen Rahmen an, sozusagen das Level, auf dem du bist. Die Zahlen zeigen, wie sicher und ausgebildet du in diesem Rahmen jeweils bist – also in gewisser Weise deine Erfahrung und Souveränität.


Um die Buchstaben aufzusteigen, solltest du bestimmte Skills und ein Verständnis für die Technik beherrschen, um dann auf dem nächsten Level neue zu erlernen.


Um in den Zahlen voranzukommen, brauchst du vor allem Übung und Wiederholung, Vielfalt und Variation. Der Fokus liegt dabei weniger auf den technischen Details oder einer Reihenfolge, sondern viel mehr auf Quantität und Vielfalt. Diese Zahlen reflektieren in gewisser Weise auch deine Gefühle in den Seilen – nämlich dann, wenn du anfängst, dich weniger auf die Technik und mehr auf den Menschen zu konzentrieren.


Der Pfad wirkt zwar linear, soll aber bewusst nicht so wahrgenommen werden. Er ist vielmehr eine Empfehlung, damit du dich sicher fühlen kannst. Die Zahlen müssen nicht alle erledigt sein, um in den Buchstaben voranzukommen. Man sollte sich aber sicher genug auf dem aktuellen Level fühlen, um den nächsten Schritt zu gehen.


Je erfahrener du in einem Level bist, desto mehr wird dein Fokus weg von der reinen Technik hin zu deinen Partnermenschen und dem Spiel wandern. Man kann also technisch sehr schnell aufsteigen und sich in der Qualität dennoch immer noch mehr auf die Technik als auf das eigentliche Spiel konzentrieren.


Die folgenden Prinzipien tragen das ganze System

  • Können statt Zeit. Wo du stehst, entscheidet dein Gefühl – nicht deine „Dienstjahre". Jemand, der drei Monate intensiv übt, kann weiter sein als jemand, der seit Jahren nur gelegentlich ein Seil anfasst.

  • Sicherheit & Konsens sind immer dabei. Auf jedem Level. Sie verschwinden nie – sie werden nur selbstverständlicher.

  • Im Zweifel tiefer einsteigen. Shibari ist kein Wettrennen. Lieber eine Stufe tiefer beginnen und Freude haben, als überfordert sein. Man kann Level auch problemlos mehrfach wiederholen.

  • Leben statt lernen. Um ein Level aufzusteigen, müssen gewisse Skills nicht nur erlernt, sondern verinnerlicht sein.


Die Levelübersicht

Level

Name

Voraussetzungen

Wofür es steht

Typische Fesselungen

A

Neulinge

KEINE Vorkenntnisse erforderlich.

Der allererste Kontakt mit dem Seil – keine Vorkenntnisse nötig

Single Column Tie, Anatomie, Sicherheit, Seilkunde, Körperkontakt

B

Beginner

Nur grundlegende Vorkenntnisse, wie Single Column Tie (SCT) und Sicherheit.

Die Basics festigen, erstes freies Spiel am Boden, im Sitzen und Stehen

Double Column Tie, Armbinder, Karada, Futomomo, Takate Kote, freies Fesseln u. Ä.

C

Fortge-schritten

Sicherer Umgang mit einfachen Fesselungen wie SCT, DCT, Futomomo etc. Es wird verstanden, was man tun kann, um ein gewünschtes Ziel zu erreichen.

In Zielen denken, Komplexität, Predicament, erste einfache Suspension mit Support

Hog Tie & Stresspositionen, Quick-Release Ties, komplexe Bindungen, erste Predicament-Fesselungen, Semi-Suspension

D

Erfahren

Kombination und Variation sind bekannt. Verständnis des Warums und der Auswirkungen bestehen.

Eigenständig gestalten, dynamische Suspension, intensive Szenen

Hängefesselungen, Bodenfesselungen, Übergänge zwischen Positionen, Gestaltung eigener Positionen

E

Experten

Details und Risiken sind bekannt und es können bewusste Entscheidungen getroffen werden

Vertiefung und Spezialisierung in viele Richtungen

Eigenen Stil entwickeln; Konzepte, die über reines Fesseln hinausgehen

S

Speziel-les

Für alle Level geeignet; vermitteln häufig Queer-Wissen. Jede:r profitiert anders.

Kein linear aufbauendes Wissen, sondern Skills, die allen Leveln helfen

Häufig nichts mit Seilen

X

Aus-tausch

Wissen austauschen und gemeinsam Neues entwickeln oder erlernen.

Austausch und Peer- Learning. Oft stehen Experimente und Erlebnisse im Mittelpunkt.

Variiert




Die Level im Detail

A — Neulinge

Voraussetzung: keine.


Hier beginnt alles. Diese Kurse sind für Menschen, die zum ersten Mal ein Seil in die Hand nehmen. Du brauchst nichts mitzubringen außer Neugier – kein eigenes Seil, keine Vorerfahrung, keine Vorbereitung. Du lernst die absoluten Grundlagen kennen: den Single Column Tie, ein erstes Verständnis für Anatomie, Sicherheit und Seilkunde sowie das Gefühl für Körperkontakt und Spannung. Wir begleiten dich und legen von Anfang an Wert auf Kommunikation und Konsens.



B — Beginner

Du hast die ersten Schritte gemacht und festigst nun dein Fundament. Hier erweiterst du dein technisches Repertoire deutlich: Double Column Tie, Armbinder, Karada, Futomomo, das Takate Kote, freies Fesseln und weitere Ansätze am Boden, im Bett, im Sitzen, Liegen oder Stehen. Es geht darum, dass du sicher und souverän fesseln kannst, ohne über die wesentlichen Grundlagen nachzudenken und gleichzeitig dein Portfolio an einfachen Techniken aufbaust, aus welchem du später weiter schöpfen kannst.


  • B.1 - Die ersten Handgriffe sitzen. Du fühlst dich noch unsicher, traust dich aber. Deine Aufmerksamkeit ist stark beim Seil, du musst über jeden Schritt nachdenken – das ist völlig normal.

  • B.2 - Du wirst flüssiger und entspannter. Erste kleine Flow-Momente stellen sich ein, dein Blick hebt sich zum ersten Mal vom Seil zum Gegenüber.

  • B.3 - Du kombinierst am Boden frei. Du verbindest mehrere Elemente, gestaltest erste kleine Szenen und fühlst dich zunehmend selbstständig im Beginner-Rahmen.

  • B.4 - Du kannst Basis-Fesselungen souverän und unter erschwerten Bedingungen umsetzen. Du kannst dich auf deinen Partnermenschen und die Spieldynamik konzentrieren, ohne zu viel über die Knoten nachzudenken.

  • B5. - Du überträgst Zweck und Gefühle beim Fesseln. Du kannst beim Fesseln nicht nur Technik, sondern auch eine Stil dabei anwenden.



C — Fortgeschritten

Die reichste Phase deiner Reise. Du beherrschst die einfachen Fesselungen sicher und verstehst, was du tun kannst, um ein gewünschtes Ziel zu erreichen. Jetzt wird es komplexer: Hog Tie und Stresspositionen, Quick-Release Ties, komplexe Bindungen, erste Predicament-Fesselungen und Semi-Suspension. Hier passieren zwei große Dinge – du wirst komplexer und machst, behütet, deinen ersten Schritt in Richtung Luft. Das entspricht dem bewährten Weg „erst Boden, dann Teilsuspension als sanfter Zwischenschritt"


  • C.1 - Du denkst in Zielen, nicht in Knoten. Die Basics sind selbstverständlich. Deine Aufmerksamkeit wandert weg vom Seil, hin zu dem Effekt, den du erreichen willst.

  • C.2 - Du traust dich an Komplexeres. Du spürst, wenn etwas nicht stimmt, und arbeitest bewusst an Wirkung und Reaktion deines Gegenübers.

  • C.3 - Du spielst bewusst mit Spannung, Dynamik und bist dir Risiken durchgängig bewusst. Predicament, Stresspositionen, Intensität, komplexe Fesselungen mit Details, wie Fingern, Haare oder Zehen. Du erzeugst gezielt ein Erlebnis, sicher am Boden.

  • C.4 - Du machst Übergänge souverän und kannst somit nicht nur Positionen fesseln, sondern auch wechseln.

  • C.5 - Du machst den ersten Schritt nach oben. Lernst die Grundlagen und Theorien der Suspension, sowie die ersten Semi- und Self-Suspensions. Deine Aufmerksamkeit liegt auf der Sicherheit und dem Verständnis, dem Fühlen und auch eventuellen Selbsterfahrungen.



D — Erfahren

Jetzt verschiebt sich der Fokus vom Was zum Warum – und vom „Ich kann es mit Hilfe" zum „Ich kann es allein". Du kennst Kombination und Variation und verstehst, wieso du etwas wie tust, wie du es ändern kannst und wie sich das auswirkt. Dein Spielfeld: fortgeschrittene Hängefesselungen, komplexe Bodenfesselungen, Übergänge zwischen Positionen und das Gestalten eigener Positionen. Der entscheidende Unterschied zu C ist deine Eigenständigkeit.


  • D.1 - Du kombinierst und variierst frei. Du verstehst das Warum dahinter, bist voll beim Menschen, das Seil läuft fast von selbst.

  • D.2 - Du reagierst flexibel und in Echtzeit. Dein Fokus liegt auf Dialog, Flow und Verbindung; du triffst bewusste Entscheidungen.

  • D.3 - Du gestaltest ganze Szenen souverän. Boden wie Luft, eigenverantwortlich – du co-kreierst das Gesamterlebnis.

  • D.4 - Du bewegst dich fließend in der Luft. Übergänge und Wechsel gelingen dir ruhig; dein Fokus liegt auf Bewegung, Rhythmus und dem Halten der Spannung

  • D.5 - Du spielst bewusst mit Intensität, Halt und Hingabe. Intensive Szenen am Boden wie in der Luft, getragen von bewusstem Risikomanagement und tiefer Verbindung.



E — Experten

„Experte" ist keine einzelne Spitze, sondern ein Fächer von Vertiefungsrichtungen. Du kennst dich mit komplexen, herausfordernden Fesselungen aus und hast viel Detailwissen und „Nerdy-Stuff". Jetzt geht es darum, einen eigenen Stil zu entwickeln und Konzepte zu erkunden, die über reines Fesseln hinausgehen. Niemand durchläuft alle Stufen linear – du wählst, was zu dir passt. Hier zählt nicht mehr Menge, sondern Tiefe und Richtung.


  • E.1 - Detail & Nerdy-Stuff. Du tauchst in feinste Nuancen ein, die kaum jemand sieht und variierst Situationsbezogen.

  • E.2 - Autonome Abläufe. Du kannst im wahrsten Sinne des Wortes mit geschlossenen Augen fesseln, deine Aufmerksamkeit auf andere Dinge richten, sei es dein Partner-Mensch oder etwas anderes.

  • E.3 - Stil-Vertiefung. Du vertiefst und perfektionierst mehrere Stile und verstehst die Philosophie dahinter

  • E.4 - Performance & Dramaturgie. Shibari wird Ausdruck und Bühnenkunst – Narrativ, Ästhetik und das Erlebnis des Ganzen.

  • E.5 - Eigene Handschrift. Du entwickelst Neues: eigene Figuren, eigene Wege, deine eigene Sprache im Seil.

  • E.6 - Weitergeben. Du lehrst, begleitest und teilst dein Wissen – du gibst Support, statt ihn zu brauchen.



Die Sonderkategorien: S und X

Nicht alles lässt sich in eine Leiter pressen. Diese beiden Kategorien stehen quer zu den Leveln A–E.


S — Spezielles

Diese Workshops drehen sich um ein bestimmtes Thema statt um eine Könnensstufe – und sind deshalb für alle Level offen. Hier geht es weniger um linear aufbauendes Wissen, sondern um Skills, die allen Leveln helfen oder die gar nichts mit dem typischen Shibari zu tun haben. Egal, wo du stehst: Du nimmst etwas mit – nur eben jede:r etwas anderes.


X — Austausch

Kein Frontalunterricht, sondern gemeinsames Wachsen. In unseren Labs kommen alle Level zusammen, teilen ihr Wissen, probieren Neues aus und bauen gemeinsam neues Wissen auf. Häufig stehen Experimente und Erlebnisse im Mittelpunkt. Es gibt keine festen Voraussetzungen – nur Offenheit und Neugier. Und das Beste: Ihr könnt solche Labs jederzeit auch selbst ins Leben rufen.



Die drei großen Schwellen

Der eigentliche Sprung passiert an den Übergängen zwischen den Buchstaben – hier brauchst du neue Skills und ein neues Verständnis:


Schwelle

Was sich verändert

B → C

Vom „Ich denke in Knoten" zum „Ich denke in Szenen". Das Seil tritt in den Hintergrund, der Mensch rückt nach vorn. Ab hier darf erstmals an Suspension und intensivere Fesselungen gedacht werden.

C → D

Vom „Ich kann es mit Hilfe" zum „Ich kann es allein". Das technische Niveau liegt nah beieinander – der Unterschied ist Eigenständigkeit. Bei C noch mit gezieltem Support (auch in der Luft), bei D selbstverantwortlich.

D → E

Vom „Ich gestalte souverän" zum „Ich verfeinere & entwickle". Hier geht es um Feinschliff, Spezialisierung und eigenen Stil – in der Richtung, die zu dir passt.





So findest du deinen Einstieg

  • Noch nie gefesselt? → Starte bei A.

  • Du hast schon mal gefesselt? → B.

  • Du denkst in Zielen und willst komplexer werden – vielleicht erstmals abheben? → C.

  • Du gestaltest eigenständig, Boden wie Luft? → D.

  • Du suchst Tiefe, einen eigenen Stil, Performance oder willst weitergeben? → E.



Im Zweifel gilt: Lieber eine Stufe tiefer einsteigen und Freude haben, als überfordert sein. Du kannst Level jederzeit mehrfach wiederholen – jeder Schritt auf dieser Reise zählt.


Das Schöne am Shibari ist: Der Weg ist das Ziel.

 
 
 

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